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Dr. Andreas Bücken zum Thema Mittelmeerkrankheiten

Tierarzt Dr. Andreas Bücken, der unserem Verein angeschlossen ist, veröffentlichte in der Zeitschrift 'Leben mit Tieren' einen Bericht über die einzelnen Mittelmeererkrankungen. Besonders auch mit Sicht auf Urlaub mit Hunden und der Vorbeugemaßnahmen. Diesen möchten wir auch Ihnen nicht vorenthalten:

Infektiöse Reisekrankheiten beim Hund

Leishmaniose & Co.

Das Thema Reisekrankheiten verursacht bei Hundehaltern immer wieder Verunsicherung. Die Leishmaniose, die Babesiose, die Erlichiose sowie die Dirofilariose (Filariose) sind die wichtigsten zu nennenden Erkrankungen. Durch die steigende Zahl von Importhunden aus Ländern des Mittelmeerraumes, die Zunahme des Reiseverkehrs mit Tieren weltweit und die sich ändernden Klimabedingungen steigt auch hierzulande die Zahl der erkrankten Hunde. All diesen Erkrankungen gemein ist, dass sie durch Blut saugende Insekten übertragen werden, die hauptsächlich in wärmeren Klimaregionen zu finden sind. Während die Babesiose und Erlichiose durch Zecken übertragen werden, sind für die Übertragung der Leishmaniose und Filariose Mücken verantwortlich. Jede dieser Infektionen ist bei frühzeitiger Erkennung behandelbar – im fortgeschrittenen Stadium führen sie aber haüfig zum Tode des Tieres. Deshalb sollte es für Hundebesitzer selbst-verständlich sein, die Tiere vor der Reise mit entsprechenden antiparasitären Mitteln zu behandeln, um sie so vor den Insekten zu schützen.

Warum man diese Infektionen aber weder unterschätzen noch dramatisieren sollte und was es für Erkrankungen sind, soll im Folgenden erläutert werden.

Leishmaniose

Die Leishmaniose ist eine Infektion, die durch die sogenannte Leishmanien (parasitäre Einzeller) ausgelöst wird. Diese werden durch den Stich einer Sand –oder Schmetterlingsmücke (Phlebotomus) übertragen. Saugt eine Mücke an einem infizierten Hund, so nimmt sie über das Blut die Leishmanien auf. Diese vermehren sich in der Mücke und werden beim folgenden Saugakt mit dem Speichel in den nächsten Wirt injiziert. Kommt es daraufhin bei dem Wirt nicht zu einer ausreichenden Immun-Antwort, so vermehren sich die Leishmanien und befallen Knochenmark, Milz und Leber. Die Leishmaniose ist nicht heilbar, aber bei frühzeitiger Diagnose behandelbar. Das Infektionsrisiko ist abhängig von der genetischen Anlage. So sind Mittelmeerhunde „resistenter“ als Reisehunde. Bei der Leishmaniose handelt es sich um eine Zoonose (…von einem Tier auf einen Menschen oder von einem Menschen auf ein Tier übertragbare Infektionskrankheit). Es ist leider nicht auszuschließen, dass eine Übertragung durch direkten Kontakt mit Wundsekret (in diesem können sich Leishmanien befinden) oder auch durch Geschlechtsverkehr möglich ist. Auch kann eine Übertragung über die Plazenta im Mutterleib stattfinden. So kann es innerhalb eines Wurfes infizierte und nicht infizierte Welpen geben. Durch einen Hundebiss kann indes keine Übertragung erfolgen, weil sich im Speichel des Hundes keine Leishmanien befinden.

Die Leishmaniose kommt in tropischen und subtropischen Klimazonen vor und stellt eine Bedrohung für Tier und Mensch dar. War sie vor Jahren noch eine Infektion, die in Europa nur in den sogenannten Mittelmeerländern zu finden war, gibt es mittlerweile, bedingt durch den zunehmenden Klimawandel, auch stabile Sandmückenpopulationen im Rheingraben, im Raum Kaiserslautern und Saarbrücken. Die Sandmücken sind in Deutschland von Juni bis August aktiv – im mediterranen Raum sogar bis Mitte Oktober. Ihr Stich ist schmerzhaft. Sie stechen meist in den Abend- und frühen Morgenstunden und bevorzugen die Augenlider und den Nasenrücken.

Man unterscheidet drei verschiedene Formen der Leishmaniose: die kutane (Hautleishmaniose), die mucokutane (Schleimhautleishmaniose) und die viscerale (innere Leishmaniose) Leishmaniose. Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch einer Erkrankung) beträgt fünf Wochen bis mehrere Jahre. Die klinischen Symptome wie Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sind zunächst unspezifisch. Später kommen dann die typischen Hautveränderungen, wie Haarlosigkeit übermäßige Verhornung und Geschwüre, vor allem an den Ohrrändern, der Nase und den Augen (Brillenbildung) hinzu.

In der Diagnostik gibt es neben dem direkten Erregernachweis (Abklatschpräparat/Lymphknotenpunktat) vor allem die Serologie. Der so genannte ELISA-Test ist ein immunologisches Nachweisverfahren, daß auch bei symptomlosen Hunden eine 90%-ige Sensitivität hat. Bei klinisch auffälligen Tieren sogar bis zu 99%. In diesem Test werden die Antikörper nachgewiesen. Dieser Test beweist aber nur, dass sich das Tier in der Vergangenheit mit dieser Erkrankung auseinander gesetzt hat. Es gibt nicht wenige Tiere, die einen erhöhten Antikörper-Spiegel haben, klinisch aber völlig unauffällig sind. Speziell bei diesen Tieren ist es deshalb ratsam, mindestens jährliche Kontrolluntersuchungen zu machen. Hier hat sich bei der Blutuntersuchung die Proteinelektrophorese bewährt, bei der man bei beginnender Symptomatik eine ausgeprägte Hypergammaglobulinämie erkennen kann.

Für die Therapie, die lebenslang erfolgen muss, stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl. Als wirksamstes hat sich die Kombination von Milteforan (Miltefosin - Zytostatikum) und Allopurinol erwiesen. Milteforan ist jedoch teuer und in Deutschland für die Tiermedizin noch nicht zugelassen.

Und gerade deshalb ist der beste Schutz eine gute Prophylaxe. Hier stehen verschiedene Präparate (Advantix, Preventic, Expot…) dem Hundebesitzer zur Verfügung, die alle repellierende wie auch insektizide Wirkung haben.



Babesiose

Die Babesiose (Hundemalaria) ist eine durch die Auwaldzecken (Dermacentor reticulatus) übertragbare Erkrankung. Sie ist keine Zoonose. Babesien sind parasitierende Einzeller und vermehren sich, nach dem Zeckenstich, in den roten Blutkörperchen des Wirtes und führen so langsam zur Zerstörung des Blutes. Die Ausbreitung der Babesiose ist auch hier wieder an das Vorkommen der übertragenden Zeckenarten gebunden. Im gesamten Mittelmeerraum, aber auch in Deutschland, ist Dermacentor verbreitet. Vor allem im Saarland, Baden-Württemberg, Brandenburg, aber auch NRW und im Münsterland sind Fälle bekannt geworden. Die deutschlandweite Durchseuchung liegt bei 0,4% mit steigender Tendenz. Die Aktivitätshöhepunkte der Auwaldzecken sind Mitte April und Mitte September.

Die Symptomatik der Babesiose reicht vom akuten bis zum chronischen Stadium. Die Inkubationszeit beträgt bis zu drei Wochen. Die Erkrankung beginnt mit Fieber, Appetitlosigkeit gefolgt von Gewichtsverlust. Später kommt es zur Gelbsucht und zum typisch braun-rot gefärbten Urin. Zur Diagnostik stehen dem Tierarzt neben der klinischen Symptomatik der Direktnachweis im Kapillarblut (ab dem 5. Tag) oder der direkte Erregernachweis mittels DNA-Analyse zur Verfügung.

Bei frühzeitiger Diagnose gibt es mit dem Carbesia (Wirkstoff Imidocarb) ein Mittel, das die Proteinsynthese der Babesien hemmt und gut wirkt. Es kann auch, neben den anderen antiparasitären Spot-on-Präparaten (Advantix, Expot…) zur Prophylaxe bei Tieren eingesetzt werden, die in Endemiegebiete reisen. Es wird einmalig injiziert und hält ca. drei Wochen vor. Bei zu später Diagnose endet die Erkrankung jedoch oft tödlich.


Erlichiose
Der Erreger der Erlichiose (Erlichia canis, intrazelluläres Bakterium) wird mit dem Speichel der braunen Hundezecke übertragen. Diese Zeckenart ist nur in den Ländern des Mittelmeerraumes endemisch. Sie ist bislang in Deutschland noch nicht gefunden worden. Von daher sind nur Hunde gefährdet, die in diese Länder reisen. Die Erlichiose ist eine bakterielle Infektion. Sie ist eine Zoonose. Nach der Übertragung des Erregers durch die Zecke gelangt dieser zunächst ins Blut und befällt dort die lymphatischen Organe. Nach einer Inkubationszeit von bis zu drei Wochen zeigen die Tiere in der akuten Phase relativ unspezifische Symptome wie Fieber und ein reduziertes Allgemein-befinden. In der chronischen Phase der Infektion, die erst drei Monate nach der Infektion beginnen kann, kommt es zu Nasenbluten, Blutungen in die Unterhaut sowie Blut im Kot und Urin.
Die Diagnostik gestaltet sich in der akuten Phase schwierig. Hier kann der Erreger nur in einem peripheren Blutausstrich gefunden werden. Ab dem 20. Tag der Infektion ist der Antikörpernachweis möglich.

Wird die Diagnose zügig gestellt, so ist die Prognose bei antibiotischer Therapie (Tetrazyklin oder Doxycyclin) gut. Im fortgeschrittenen Stadium ist die Prognose vorsichtig zu stellen. Immer zu beachten ist bei der Erlichiose eine Coinfektion mit der Babesiose.

Zur Prophylaxe sollten auch hier wieder die schon zuvor genannten antiparasitären Mittel aufgetragen werden.


Dirofilariose (Filariose)
Die Dirofilariose ist eine Erkrankung, die sowohl beim Hund (selten bei der Katze) als auch beim Menschen vorkommen kann. Der Erreger ist Dirofilaria immitis, eine Fadenwurmart. Er wird durch normale Stechmücken übertragen. Die Dirofilariose kommt vor allem im Mittelmeerraum vor. Besonders die italienische Po-Ebene, aber auch Portugal und die Kanarischen Inseln sind betroffen.

Durch den Stich einer Mücke gelangen die sogenannten Mikrofilarien in den Wirt. Im Wirt entwickeln sich diese dann innerhalb von 3 bis 4 Monaten zu adulten Herzwürmern (Makrofilarien). Diese können bis zu 30 cm lang werden und siedeln sich vor allem in der rechten Herzhälfte an.

Das Problem dieser Erkrankung ist, dass sich die ersten Symptome, wie Husten und Konditionsverlust mitunter erst nach mehreren Monaten zeigen können. Später erst kommt es zu Atemnot, Bauchwassersucht und Ödemen in den Beinen.
Die Diagnose der Dirofilariose erfolgt über eine Blutuntersuchung, wobei sehr wichtig ist, das Blut erst in den Abendstunden abzunehmen, weil dann die Filariendichte im Blut am größten ist. Der Nachweis von Makrofilarien-Ag durch eine Blutuntersuchung macht erst nach 6 Monaten Sinn.

Die Therapie der Dirofilariose ist, wie so oft, abhängig vom Krankheitsstadium. Eine frühzeitige Diagnose bringt eine gute Heilungsprognose. Während im fortgeschrittenen Stadium die Therapie unangenehme, wenn nicht sogar tödliche Nebenwirkungen haben kann (Thrombosegefahr, allergische Reaktion), die unbedingt vorher mit dem Besitzer abgesprochen werden müssen.

Deshalb ist auch hier die Prophylaxe so wichtig. Die erste Anwendung entsprechender Mittel erfolgt eine Woche vor Urlaubsbeginn und endet zwei Monate nach dem Ende des Urlaubs.
Fazit:
Die meisten Mittelmeerkrankheiten sind bei frühzeitiger Diagnostik heilbar oder mindestens behandelbar. Wenn Tierbesitzer ihr Tier unbedingt mit in den Süden nehmen wollen, ist eine gute Prophylaxe unentbehrlich. Hier stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, die vor Reiseantritt verabreicht werden müssen und, wie bei der Dirofilariose, auch über den Urlaub hinaus.

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